
Doppelmoral in der Reisedebatte: Touristik braucht jetzt mehr Sachlichkeit
VUSR kritisiert pauschale Kritik an Urlaubsreisen in Krisenzeiten und fordert mehr Verantwortung sowie flexible Lösungen für Reisende.
Die aktuelle Diskussion über Reisen in den Nahen Osten – zum Beispiel nach Dubai – zeigt aus Sicht des Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR e.V.) eine deutliche Doppelmoral.
Heute wird teilweise behauptet, man hätte gar nicht in diese Regionen reisen dürfen. Doch ein Blick auf die Entfernungen und die Situation der vergangenen Jahre zeigt ein anderes Bild.
Der Krieg in der Ukraine findet seit mehr als vier Jahren in Europa statt – nur etwa 1.300 Kilometer von Berlin entfernt. In Zeiten des Syrien-Konfliktes waren z.B. Zypern und die türkische Riviera beliebte Urlaubsziele mit wenigen hundert Kilometern Entfernung zum eigentlichen Krisengebiet.
Trotzdem wurde damals nicht grundsätzlich infrage gestellt, ob Menschen weiterhin in den Urlaub fliegen dürfen.
Für den VUSR ist klar: Die Touristik darf sich nicht von kurzfristigen Stimmungen oder Schlagzeilen treiben lassen.
Für viele Menschen bedeutet Urlaub eine wichtige Pause vom Alltag. Sie wollen abschalten, Kraft sammeln und für eine Zeit ihre Sorgen vergessen.
„Wir sollten aufhören, Reisenden ein schlechtes Gewissen zu machen. Menschen reisen nicht aus Leichtsinn. Sie reisen, weil sie Erholung brauchen. Gerade in schwierigen Zeiten ist dieser Wunsch völlig verständlich“, sagt Marija Linnhoff, erste Vorsitzende des VUSR.
Gleichzeitig sieht der Verband auch die Branche selbst in der Verantwortung. Aus der Pandemie hätte die Touristik mehr lernen müssen. Gerade wenn Menschen unsicher sind, braucht es Lösungen, die Vertrauen schaffen.
Dazu gehören zum Beispiel flexible Buchungen, klare Informationen und ein gutes Krisenmanagement.
Wenn Reisende wissen, dass sie ihre Reise im Notfall problemlos umbuchen oder stornieren können, fällt die Entscheidung für eine Buchung deutlich leichter.
„Wir müssen den Menschen die Unsicherheit bei der Buchung nehmen. Genau das hat uns die Pandemie gelehrt. Sicherheit und Flexibilität sind heute wichtiger denn je“, so Linnhoff.
In der aktuellen Diskussion wird oft schnell die Politik kritisiert. Tatsächlich haben einzelne Aussagen aus dem Auswärtigen Amt nicht unbedingt zur Beruhigung beigetragen. Trotzdem sollte man auch hier genau hinschauen.
Denn die Frage ist auch: Wer hat diese Informationen eigentlich geliefert? Ein Teil der Einschätzungen kommt tatsächlich aus der Branche selbst. Deshalb sollte die Touristik nicht nur Kritik üben, sondern auch die eigene Rolle ehrlich betrachten.
Der VUSR e.V. – Bundesverband appelliert daher an die Verantwortlichen der Branche, jetzt ruhig und vorausschauend zu handeln. Wichtig ist, den Menschen Sicherheit zu geben – und nicht durch übertriebene Reaktionen zusätzliche Verunsicherung zu schaffen.
Die Erfahrung zeigt: Die Stimmung kann sich schnell wieder ändern. Schon in wenigen Wochen werden viele Menschen wieder über ihre nächste Reise nachdenken.
„Die Touristik ist eine starke und widerstandsfähige Branche. Darauf können wir stolz sein. Jetzt brauchen wir besonnenes Handeln und Vertrauen in unsere Arbeit“, sagt Linnhoff.

Über den Autor